Kostendeckung vs. Gewinnmaximierung

Spätestens bei knackigen Preisverhandlungen in einem wettbewerbsstarkem Umfeld taucht sie auf, die Entscheidung zwischen Kostendeckung vs. Gewinnmaximierung.

Die strategische Entscheidung, für bestimmte Aufträge sogar auch einmal unterhalb der Kostendeckung zu gehen, klammern wir an dieser Stelle aus, weil sie vollkommen andere Aspekte und Ziele verfolgt.

Hier geht es sehr viel mehr um ein Grundsatzthema, nicht nur innerhalb der Produktionsindustrie.

So gilt die Gewinnmaximierung seit Jahren als Pflichtkür. Zu erwartungsgeiernd die Augen der Presse bei den alljährlichen Bilanzveröffentlichungen von Unternehmen, jene in gewerkschaftlichen Verhandlungsrunden und nicht zuletzt inner- und außerhalb der Jahresversammlungen ihrer Aktionäre. Alle lauern wie die Aasgeier auf noch mehr des Kuchen, möglichst hohe Gewinnmargen zugunsten der Ausschüttungen, schließlich geht es um den guten Ruf.

Wie oft hören wir mittlerweile in den Nachrichten verachtende Kommentare á la:

„Aus Insiderkreisen haben wir erfahren, dass Firma Vorreiter & Schleuderfuß dieses Jahr nur noch 3 Milliarden Euro Gewinn zu verzeichnen hatte. Die Anleger sind empört!“

Immer höher, schneller, weiter als globale Zieldevise. Schließlich müssen wir mithalten, dem großen gelben Schreckgespenst schön Futter in den Exportrachen schieben, damit wir unsere Werke zumindest dort am Laufen halten dürfen und unsere europäischen Staaten schön fleißig weiter mit Antibiotika und allen anderen Medikamenten des täglichen Überlebens beliefert werden.

Ganz klar, dass es dann als besonders wichtig bis essentiell gilt, in Preisverhandlungen mit unseren Lieferanten so tief wie möglich zu stapeln und sie bis zur Schnappatmung auszupressen. Schließlich geht es nicht um Ihre, sondern unsere Mitarbeiter, äh Aktionäre, Mitarbeiter bauen wir ja schon ab.

Wie weit wollen wir dieses Spiel eigentlich noch treiben?

Selbstverständlich würde eine Unternehmung an der permanenten Deckungsgrenze ihre Flexibilität und Erneuerung riskieren. Wirklich? Könnte dies nicht bereits eine Grenze in unserem sehr steif gewordenem Geist darstellen, mit dem wir unsere eigene Bewegungskreativität einbüßen?

Zur Klarstellung, verehrte Mitleser, unser Ziel ist keineswegs das Anstreben von Verlustgeschäften. Ganz im Gegenteil. Erfolg darf sein. Er macht Spaß, ist Motor unserer Menschheit und war es lange Zeit besonders in deutschen Firmen. Wir möchten lediglich inspirieren, gewohnte Denkmuster zumindest testweise zu verlassen und unsere sehr sperrig und anstrengend gewordene Weltwirtschaft mit neuen Wegen verjüngen.

Auch wir ganz persönlich erfreuen uns an einem guten Auftrag und den Moment, in dem das lächelnde Blitzen in den Augen unserer betreuten Firmenentscheider die Antwort unserer Zielerreichung vorankündigt.

Dennoch möchten wir zur Achtsamkeit einladen. Was geschieht in unserer Welt wirklich, wenn wir nicht endlich beginnen unsere Wirtschaft neu zu denken?

Kostendeckung – die Freude des Versagers und der Abstieg des Erfolgs?

Während noch startende Unternehmen oder jene in Veränderungskur hart daran arbeiten, (wieder) kostendeckend zu werden, gilt es für die großen Schnurrbärte des DAX’es als Fauxpas.

Warum?

Nein, wir liefern hier keine Antwort, sondern möchten wirklich ernsthaft anregen, diese Gewohnheit zu hinterfragen. Weshalb ist dem so?

Ist Kostendeckung wirklich so schlecht? Lassen wir lieber unsere Maschinen und Anlagen im Leerstand, schicken weiter Mitarbeiter in den Vorruhestand oder in ihre frustablassventiligen Nachtschichten, nur weil die Preisverhandlung unsere 20% Marge nicht durch setzte?

Wäre es ganz im ernst wirklich das schlechteste Ergebnis, kostendeckend arbeiten zu können, was bedeutet, alle Anlagen und Mitarbeiter inkl. Wasserköpfe (!) ordentlich bezahlt zu haben? Oder bauen wir lieber noch ein paar mehr Produktionsmitarbeiter ab und vergessen klammheimlich, dass sie diejenigen sind, die unseren gesamten Laden tragen?

Fragen über Fragen. Am Ende muss sie jedes Unternehmen für sich selbst verantworten. Nämlich unter anderem anhand ihrer Selbstreflektion, ob sie auch in den nächsten 10 Jahren noch Bestandteil eines überreifen Marktes voller fauler Birnen bleiben wird.

Sparen ist wichtig, Prozessoptimierung und Kostenbeleuchtung auch, absolut. Aber möglicherweise wesentlich effektiver unter neuer Betrachtung der alten Regeln.

Dies ist das was Sie von uns zu erwarten haben. Wir werden nicht für Honig bezahlt. Dennoch sollte unsere Leistung für Sie danach schmecken. Am Ende nämlich möglichst viele Abteilungen Ihres Hauses süß lächeln, weil sie wissen, dass ihre Zukunft auf stabilen Füßen steht.

Wir freuen uns auf Sie, und der Markt hoffentlich auch.

Herzliche Grüße von den Chiemgauberatern
Tanja Falge

 

 

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