Kommunikationsweise als konfliktärer Dauerbrenner

Welche Kommunikationsweise bevorzugen Sie, sind Sie die Anruferin, der Briefeschreiber oder ziehen Sie den persönlichen Besuch vor?

Variiert Ihre Verhaltensweise zwischen Ihren verschiedenen Rollen oder je nach persönlicher Betroffenheit und emotionalen Brisanz?

Und welches von Ihren Gewohnheiten abweichende Verhalten stößt Ihnen eher auf?

Bei diesem Thema liegt der Fluch im Segen. Denn die Vielfalt unserer Kommunikationsweise an sich ist durchaus etwas wunderbar Nützliches. Je nach Typus, situativer Erforderlichkeit sowie Erreichbarkeit unseres Gegenübers können wir auf verschiedene Mittel zurückgreifen.

Das Spannende daran ist, dass viele Unternehmen verschiedenste Weiterbildungen über Kommunikationsmodelle und deren Phänomene ermöglichen. Lediglich das ganz Grundsätzliche scheint so banal, dass sich beinahe niemand damit beschäftigt. Doch ausgerechnet darin liegen sehr viele Erwartungskonflikte verborgen. Daher empfehle ich Unternehmen und deren Führungskräften immer auch den Blick auf dieses Thema zu setzen und die eigene Mannschaft auf ein wenig (mehr) Toleranz zu sensibilisieren.

Bevorzugte Kommunikationsweise

Insbesondere in spannungsgeladenen Teams fallen gern Sätze wie:

  • „Frau Oberhausen überfällt mich immer mit ihren Angriffen. So schnell kann ich gar nicht reagieren.“
  • „Herr Unterhuber ist telefonisch nie erreichbar.“
  • „Frau Meier nervt mit ihren ewigen Mails und soll gefälligst auch so viel Respekt haben wie ich und das persönliche Gespräch suchen.“
  • „Diese Labertasche mit den ewig langen Audios!“

Die Art wie wir ticken und entsprechend kommunikativ bevorzugt reagieren, hängt von zahlreichen verschiedenen Aspekten ab:

  • Welcher Persönlichkeitstypus sind wir?
  • Was für Stärken stecken in uns (Stichworte: Stegreif-Rhetoriker oder Roman-Autor)?
  • Wie wurde soziale Gemeinschaft von der Familie geprägt?
  • Um welche Kontaktperson geht es? Steht die Person über bzw. unter mir oder auf gleicher Augenhöhe?
  • Wie war die bisherige Stimmung, mögen wir uns (nicht)?
  • Welche Erwartungen und Gepflogenheiten setzen Unternehmen und Kunden voraus?
  • Sind wir (gerade) emotional betroffen?
  • Welcher Stressverarbeitungsart „unterliegen“ wir (Stichwort Kampf, Flucht, Totstellen)?

Diese Liste ließe sich noch ein wenig fortsetzen, zeigt jedoch bereits hier, wie komplex die Hintergründe für jeden Einzelnen sind. Fälschlicherweise haben die meisten Menschen jedoch nichts darüber gelernt, also entsprechend selten bewusst auf dem Schirm. Daher neigen sehr viele dazu, jenes Verhalten, das sie selbst erlernt haben und deshalb für selbstverständlich erachten, auch bei allen anderen Personen zu erwarten. Wer anders reagiert, sinkt schnell durch’s Akzeptanzraster.

Vorzüge der Kommunikationsweise

Selbstverständlich hat jede Art ihre Vorzüge und Risiken. Vor allem aber ihre Gründe, weshalb sich jemand für sie entscheidet (s. Auflistung oben).

Was allen gemeinsam ist, dass sich die Person für ihre spezielle Art deshalb entscheidet, weil sie diese für angemessen und richtig hält. Auch wenn sie beim Gegenüber ganz und gar falsch verstanden wird. Während die eine Seite beispielsweise das persönliche Gespräch als die höchste Respektsbekundung hält, betrachtet dies ein Schreiber für seine schriftlichen Ausführungen ebenso. Denn diese kann er sich in aller Ruhe überlegen, um nichts zu übersehen oder versehentlich einen ungünstigen Ton zu treffen (was schriftlich natürlich trotzdem und ebenso schiefgehen kann).

Die Absicht höher setzen als die Wirkung

In unserer Gesellschaft ist es üblich, das Verhalten einer Person für wichtiger einzuschätzen als deren Hintergründe. Dies führt sehr oft zu falschen Annahmen und insgesamt hoher Intoleranz gegenüber Fehlern und Normabweichungen. Dennoch unterstellt es den meisten Menschen Unzulänglichkeiten jeder Art und trifft sie meist stark.

Wesentlich förderlicher und effektiver wäre es stattdessen, vom Verhalten wegzukommen und mehr die Absicht eines Handelns in den Vordergrund zu rücken. Denn sobald wir das tun, versuchen wir automatisch mehr durch die Sichtbrille des Anderen zu blicken. Wir beginnen achtsame und wertschätzende Fragen zu stellen, anstelle unerwünschtes Verhalten zu kritisieren oder gar bloßzustellen.

Wir Menschen sind nun einmal nicht dazu geboren, Roboter zu imitieren, deren Verhaltensweisen auf vorhersehbarem Software-Code basieren. Wir wurden mit Emotionen geboren, weil sie einen Sinn haben! Je mehr Sie das bei Kollegen oder Mitarbeitern zulassen, um so teamfähiger werden diese, sprichwörtlich.

Tipp: Mitarbeiterumfrage starten

Da es zahlreiche weitere kommunikative Prozesse gibt, die sich mit Ihrer Mann- und Frauschaft bestimmt ganz wunderbar trainieren lassen, freue ich mich über einen entsprechenden Workshop in Ihrem Haus. Davon abgesehen empfehle ich Ihnen eine interne Umfrage zu machen. Ganz aufwandsfrei im alten „Willst du mit mir gehen“-Stil. Anstelle „Ja“, „Nein“ und „vielleicht“ geben Sie jedoch die drei Hauptvarianten vor. Beispielsweise so:

Aufgrund von Schulungsüberlegungen möchten wir im Vorfeld Ihre bevorzugte Kommunikationsweise(n) herausfinden. Wenn Sie mit Kollegen etwas besprechen oder klären müssen, welchen Weg wählen Sie am ehesten (Antworten 1-fach, 2-fach und 3-fach möglich):

    • persönlich
    • telefonisch
    • schriftlich

Welche Art erwarten Sie von Ihrem Umfeld?

    • persönlich
    • telefonisch
    • schriftlich
    • tolerant

Ich empfehle Ihnen das Ganze namensfrei zu machen (ansonsten den Betriebsrat fragen). Denn es geht in dieser Umfrage nicht darum, jedem Mitarbeiter die ideale Form zukommen zu lassen (wobei das aus meiner Sicht die Zukunft markiert). Hier dient es dazu herauszufinden, in welcher Gewichtung die unterschiedlichen Kommunikationsweisen existieren. Möglicherweise erkennen Sie daran Handlungsbedarf. Gleichzeitig bringen Sie manch festgefahrene Denker allein aufgrund der Option „tolerant“ dazu, deren eigenen Horizont wertschätzender zu öffnen.

Sollte Ihnen mehr Zeit zur Verfügung stehen, lassen Sie Ihre Führungskräfte Workshops durchführen, bei denen deren Teams selbst die Chancen und Schwierigkeiten unterschiedlicher Kommunikationsweise herausarbeiten.

Herzliche Grüße, Tanja Schillmaier

Menschen besser verstehen – Ihre Chiemgauberater

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