Wie meine Leidenschaft für den Service begann

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Mein erstes „Mensch und Service“-Verständnis begann mit einer Gastronomieausbildung am Berliner Bahnhof Zoo. Außerdem bereits als Tochter eines übelgelaunten Bahners und einer Kneipen- und Tierladeninhaberin. Bereits dort prägte mich der wütende Umgang meines Vaters mit unbestellten Verkäufern an unserer Tür und die gleichzeitige Begeisterung meiner Mutter für Kundenservice und Verkauf.

Nach Abschluss meiner gastronomischen Ausbildung bereits mit 18 Jahren nach Bayern gegangen und, wurde ich Stammbedienung zweier Schnaitseer Wirtshäuser, die mich irgendwann langweilten.

Auf der Suche nach einer anspruchsvolleren Tätigkeit, lernte ich die für mich zu stupide, unkreative und chancenlose Arbeitsweise eines industriellen Schichtbetriebes kennen.

Nach sechs aussichtslosen Jahren dieser Männerdomäne entschied ich mich für einen Neustart und absolvierte eine neue Ausbildung. Denn ich vermisste den menschlichen Aspekt meiner Bedienungszeit, wollte unbedingt in die Beratung, aber auch meine Schreibseite ausleben. So lernte ich Mediengestalterin und zusätzlich per Fernstudium Werbetexterin. Zwar hatte ich beides 2002/2003 mit Bestnoten abgeschlossen, fand jedoch keine Stelle, da seinerzeit die berühmte Dotcomblase platzte und viele Agenturen wieder schlossen.

So kam ich in die Finanzdienstleistung, absolvierte meine ersten Verkaufs- und Kundenpsychologietrainings und wurde Bezirksleiterin der Bausparkasse Schwäbisch Hall, für die ich Kunden beriet und Bankmitarbeiter betreute und schulte.

Dann kam meine erste Tochter und damit eine kurze Berufspause, die ich nur ein halbes Jahr aushielt.

Zahlreiche sehr gute bis grottenschreckliche Kundenverkaufs- und Serviceerfahrungen meiner eigenen Kunden- und Verbraucherrolle bereicherten mein ganzes Leben immer wieder aufs Neue meinen Humor und meine Toleranz.

Das für meinen Werdegang jedoch prägendste Erlebnis hatte ich im Jahre 2007, als ich mit Müttern meiner damaligen Baby-Pekipgruppe einen Kaffee trinken ging:

Wir saßen auf der Terrasse eines angesagten Mühldorfer Café’s und eine unserer Gruppe monierte die saure Milch ihres Latte Macchiato’s.

Daraufhin nahm eine äußerst erzürnte ungläubige Kellnerin das Glas unwillig mit. Nach einer überaus geduldigen Weile brachte sie das Glas lautstark zurück und erklärte:

„Also mein Kollege an der Bar hat Ihren Kaffee jetzt auch probiert. Die Milch ist nicht sauer. Spülen Sie Ihren Mund mal mit einem Schluck Wasser. Manche Kunden haben so einen komischen Geschmack im Mund!“, stellte das Glas vor die Dame, verschwand und kassierte später den vollständigen Preis.

Dieses Erlebnis bewegte mich so nachhaltig, dass ich damals mit „Servicesun“ ein eigenes Serviceverbesserungssystem entwickelte, für das ich die Qualifikation des Innovationspreises der Deutschen Wirtschaft sowie die Aufnahme in die IT-Bestenliste schaffte, jedoch an der Kapitalgewinnung inmitten der Wirtschaftskrise scheiterte.

Während all dieser Jahre, baute ich mehrere Businessnetzwerke auf, wurde Vorsitzende des Mühldorfer Bund der Selbständigen, für den ich oberbayernweit Vorträge zum Thema „Guter Service spricht sich rum!“ mit einer 1,3-Bewertung meiner Teilnehmer hielt.

Für verbesserte Chancen mit Servicesun auf dem Kapitalbeteiligungsmarkt mutige Geldgeber und Unterstützer zu gewinnen, absolvierte ich den Wirtschaftsfachwirt, nahm an Businessplanwettbewerben und Mentoringprogrammen teil.

Dann kam jedoch die Wirtschaftskrise und es gelang mir nicht, mutige Köpfe für Servicesun zu finden. Also stampfte ich dieses geliebte Baby nach drei Jahren schweren Herzens ein.

Da ich in meinen Netzwerken sehr viel ehrenamtliche Beratungsarbeit absolviert hatte und mich eine Stimme auf einem Seminar besonders berührte, entschied ich mich für einen Branchenwechsel und nahm meine erste Coachingausbildung auf, der viele weitere folgten.

Die Dame hatte mir nach einer Feedbackrunde mitgeteilt, dass ich ein unglaubliches Talent hätte, den Menschen positives und negatives Feedback auf eine Art und Weise mitzuteilen, dass sie sich hinterher immer gut fühlen.

In den letzten Jahren beriet und begleitete ich vorrangig Privatpersonen, kleine Unternehmerinnen und Inhaber in ihren persönlichen und strategischen Prozessen. Seit 2020 im Rahmen der gemeinsamen Gründung der Chiemgauberater mit meinem Seelengefährten gilt mein Fokus nach langer Servicepause nun auch wieder den Dienstleistern. Im Hintergrund arbeite ich an einem Buch zum Thema.

Ab Herbst 2020 bilde ich Unternehmen und deren Servicekräfte in psychologischen Grundlagen, Verkaufs- und Kommunikationsphänomenen aus. Bis dahin wirke ich als sozialpädagogische Lehrkraft u.a. für die Verkäufer-Azubis im Projektehaus Jagus der AWO.

Meine Kunden schätzen meine vielseitigen Blickwinkel.

Die gleichzeitige Wahrnehmung und Respektierung von privaten Problemen und beruflichen Herausforderungen, kann ich nur deshalb bieten, weil mein eigenes Leben nicht zuletzt auch als Mutter von drei Kindern, viele Lernaufgaben mit sich brachte.

Mein heutiges erfülltes Leben wurde nicht auf einfachen Startvoraussetzungen, sondern Stolpersteinen, Bruchlandungen und Tränen aufgebaut. Ich weiß was es heißt, sich aus dem Nichts etwas aufzubauen, mit Gesetz und Steuerrecht konfrontiert, von Geschäftsfreunden hintergangen und kopiert, von Banken, Medien und Kunden ignoriert zu werden. Ich habe getreu mit Edison zahlreiche Beweise geliefert, wie man „es“ nicht macht.

Jedoch habe ich dabei das Wichtigste herausgefunden, was mir mein Leben zu bieten hatte:

Die Kunst, wie man Menschen und Unternehmen stark, zukunftsfähig und erfolgreich macht und dabei selbst jeden Morgen voller Vorfreude und Tatendrang in den Tag startet.